Numerus Clausus Rechtsprechung
ZM (Uni Gießen) * Datum: 13.12.1999 - Spruchkörper:
VG GießenGründe:
I.
Die antragstellende Partei begehrt die Zulassung zum Studium der Zahnmedizin im Wintersemester 1999/2000. Eine an die Antragsgegnerin bis zum 15.10.1999 gerichtete Bewerbung um Zuweisung eines solchen Studienplatzes blieb erfolglos. Sie ist der Ansicht, die Kapazität der Antragsgegnerin im Studiengang Zahnmedizin sei nicht ausgeschöpft.
Im vorliegenden und parallel anhängigen Verfahren beantragen die antragstellenden Parteien,
die Antragsgegnerin im Wege der einstweiligen Anordnung zu verpflichten, sie nach den rechtlichen Verhältnissen des Wintersemesters 1999/2000 vorläufig zum Studium der Zahnmedizin im 1. Fachsemester der zahnmedizinischen Lehreinheit zuzulassen,
hilfsweise,
sie an einem Losverfahren zur Vergabe entsprechend der zur Verfügung stehender Studienplätze nach Maßgabe des Hauptantrages zu beteiligen.
Die Antragsgegnerin beantragt,
den Antrag zurückzuweisen.
Sie meint, ihre Kapazität im Studiengang Zahnmedizin sei erschöpft.
Wegen der Einzelheiten des Sachverhalts und des übrigen Vorbringens der Beteiligten wird auf den Inhalt der Gerichtsakten verwiesen. Bezug genommen wird ferner auf die Akten des Verfahrens 3 Gb 2807/99.w.99, das für den Studiengang Zahnmedizin des Wintersemesters 1999/2000 als Leitverfahren geführt wird.
II.
Der nach § 123 Verwaltungsgerichtsordnung - VwGO - zulässige Antrag auf Erlaß einer einstweiligen Anordnung ist teilweise begründet. Es ist glaubhaft gemacht (§ 123 Abs.3 VwGO, § 920 Abs.2 Zivilprozeßordnung), daß die Antragsgegnerin im Studiengang Zahnmedizin über die festgesetzte Ausbildungskapazität hinaus noch über weitere Studienplätze verfügt. Die antragstellende Partei ist nach Maßgabe der gerichtlich festgelegten Bedingungen an der Verlosung dieser Studienplätze zu beteiligen.
A. Die festgesetzten Aufnahmequoten für das Wintersemester 1999/2000:
Durch § 1 A Nr.6 der "Verordnung über die Festsetzung von Zulassungszahlen an den Hochschulen des Landes Hessen im Wintersemester 1999/2000 " - Zulassungszahlenverordnung 1999/2000 - vom 30.6.1999 (GVBl.I S.332) sind für den Studiengang Zahnmedizin bei der Antragsgegnerin die Zulassungszahlen des Wintersemesters 1999/2000 für das 1. Fachsemester auf 27 und für die folgenden Semester auf je 26 Studienplätze festgesetzt worden.
B. Die Berechnung der Aufnahmekapazität für das Studienjahr 1999/2000:
1. Die Stellenausstattung und die sich hieraus ergebende Gesamtlehrleistung (Stichtag: 1.2.1999):
Rechtsgrundlage für die Ermittlung der Aufnahmekapazität und damit Prüfungsmaßstab im vorliegenden Verfahren ist die Verordnung über die Kapazitätsermittlung, die Curricularnormwerte und die Festsetzung von Zulassungszahlen (Kapazitätsverordnung - KapVO -) vom 10. Januar 1994 (GVBl. I S.1) in der Fassung der Änderungsverordnung vom 3.7.1996 (GVBl. I S 305), wobei das WS 1998/99 und das SS 1999 als Studienjahr eine Berechnungseinheit bilden.
Gemäß § 8 Abs.1 KapVO sind für die Berechnung des Lehrangebots die Stellen des wissenschaftlichen Personals und der sonstigen Lehrpersonen nach Stellengruppen den Lehreinheiten zuzuordnen. Der Umfang der Lehrverpflichtungen ergibt sich aus § 9 Abs.1 in Verbindung mit Anlage 4 KapVO sowie aus der Verordnung über den Umfang der Lehrverpflichtungen der Hochschullehrer und über die Arbeitszeit der Beamten mit Lehraufgaben an einer Universität oder einer Gesamthochschule vom 29.9.1976 (GVBl. S.400) und beträgt für Professoren sowie Hochschuldozenten 8 Semesterwochenstunden - SWS - , für Oberassistenten 6 SWS, für Hochschulassistenten (wissenschaftliche Assistenten) 4 SWS, für wissenschaftliche Mitarbeiter auf Dauer bis zu 8 SWS und für wissenschaftliche Mitarbeiter auf Zeit bis zu 4 SWS. Allerdings ist das Lehrverpflichtungsdeputat der wissenschaftlichen Mitarbeiter auf Zeit und der wissenschaftlichen Assistenten unter Beachtung der folgenden Hinweise unter B.2.2 (ambulanter Krankenversorgungsabzug) von 4 SWS auf 5 SWS zu erhöhen. In den folgenden beiden tabellarischen Übersichten ist dies im Gegensatz zu den von der Antragsgegnerin vorgelegten Berechnungen berücksichtigt.
Bezogen auf die 9 zahnmedizinischen Betriebseinheiten zahnärztliche Prothetik, Zahnerhaltungskunde, Kinderzahnheilkunde, Oralchirurgie, Gesichtschirurgie, Kieferorthopädie, Propädeutische Prothetik, Parodontologie und Oralbiologie sowie Experimentelle Zahnheilkunde verfügt die Antragsgegnerin unter Berücksichtigung der von ihr vorgelegten Kapazitätsberechnungen bei 48 Stellen über eine Gesamtlehrleistung von 293,5 SWS:
|
Stellengruppe |
Plan |
gesperrte Stellen |
verfüg |
Deputat je Stelle (hj) |
lj*hj |
Vermin |
lj*hj-rj |
|
C 4 Stellen Professoren |
5,0 |
0,0 |
5,0 |
8 |
40,0 |
0,0 |
40,0 |
|
C 3 Stellen Professoren |
4,0 |
0,0 |
4,0 |
8 |
32,0 |
0,0 |
32,0 |
|
C 2 Stellen Professoren |
0,0 |
0,0 |
0,0 |
8 |
0,0 |
0,0 |
0,0 |
|
C 2 Stellen |
1,0 |
0,0 |
1,0 |
8 |
8,0 |
0,0 |
8,0 |
|
C2 Oberassisten |
1,0 |
0,0 |
1,0 |
6 |
6,0 |
0,0 |
6,0 |
|
Stellen wissensch |
2,0 |
0,0 |
2,0 |
5 |
10,0 |
0,0 |
10,0 |
|
Stellen wiss.MA auf Dauer |
7,5 |
0,0 |
7,5 |
8 |
60,0 |
0,0 |
60,0 |
|
Stellen wiss.MA |
27,5 |
0,0 |
27,5 |
5 |
137,5 |
0,0 |
137,5 |
|
Summe: |
48,0 |
0,0 |
48,0 |
|
293,5 |
0,0 |
293,5 |
Diese Stellen verteilen sich nach den Angaben der Antragsgegnerin wie folgt auf die einzelnen Betriebseinheiten:
|
Stellengruppe |
Planstellen Lehrpersonal |
gesperrte Stellen |
verfügbare Stellen (ij) |
lj*hj SWS) |
Verminderung Deputat (rj) in SWS |
lj*hj-rj |
|
Zahnärztliche Prothetik |
7,0 |
0,0 |
7,0 |
44,0 |
0,0 |
44,0 |
|
Zahnerhaltung |
9,0 |
0,0 |
9,0 |
54,0 |
0,0 |
54,0 |
|
Kinderzahnheilkunde |
4,0 |
0,0 |
4,0 |
23,0 |
0,0 |
23,0 |
|
Oralchirurgie |
6,0 |
0,0 |
6,0 |
39,0 |
0,0 |
39,0 |
|
Gesichtschirurgie |
7,0 |
0,0 |
7,0 |
38,0 |
0,0 |
38,0 |
|
Kieferorthopädie |
6,0 |
0,0 |
6,0 |
35,5 |
0,0 |
35,5 |
|
Propäd.Prothetik |
6,0 |
0,0 |
6,0 |
39,0 |
0,0 |
39,0 |
|
Paradontologie |
3,0 |
0,0 |
3,0 |
21,0 |
0,0 |
21,0 |
|
Experim.Zahnheilkunde |
0,0 |
0,0 |
0,0 |
0,0 |
0,0 |
0,0 |
|
Summe: |
48,0 |
0,0 |
48,0 |
293,5 |
0,0 |
293,5 |
2. Der Krankenversorgungsabzug:
|
Tagesbelegte Betten |
1996 |
11,00 |
|
Tagesbelegte Betten |
1997 |
12,00 |
|
Tagesbelegte Betten |
1998 |
12,00 |
|
Summe tagesbelegte Betten: |
|
35,00 |
Diese Dreijahressumme von 35 tagesbelegten Betten ist zur Ermittlung des Einjahresdurchschnitts durch 3 zu dividieren, so daß insoweit mit einem Wert von 11,67 Betten zu rechnen ist, der nach den gesetzlichen Vorgaben durch 7,20 tagesbelegte Betten zu dividieren ist. Um das Divisionsergebnis von 1,62 (11,67 / 7,20) Stellen ist der Gesamtbestand von 48 Stellen auf 46,38 abzusenken.
2.2 Die Reduzierung des Stellenbestandes um den Personalbedarf für die ambulante Krankenversorgung:
Gemäß
|
Nicht zugeordneter Studiengang |
Studenten: |
%-Anteil Studenten: |
Curricularanteil |
Schwund |
Multiplikation vorangehender 4 Positionen: |
|
Kl.prakt.Medizin |
145,0 |
100,0% |
0,0066 |
0,9197 |
0,8802 |
Dieser geringe Dienstleistungsanteil ist in Übereinstimmung mit der ständigen Rechtsprechung der Kammer (Beschluß vom 6.11.1995 – Az. 3 Gb 25058/95-) und des HessVGH (Beschluß vom 17.9.1993 – Az. Gb 22 G 6271/92T) nicht zu beanstanden. Das Gesamtlehrangebot von 181,4990 SWS ist um diese 0,8802 SWS zu mindern, so daß ein bereinigtes Angebot von 180,6188 SWS verbleibt.
7. Die Berechnung der zur Verfügung stehenden Studienplätze:
Zur Ermittlung des jahresbezogenen Lehrangebotes der Lehreinheit Zahnmedizin ist das semesterbezogene Lehrangebot von 180,6188 SWS zu verdoppeln und nach
|
361,2376 |
: |
6,1074 |
= |
59,1475 |
Studienplätze |
Gemäß
§ 14 Abs.3 Nr.3 in Verbindung mit § 16 KapVO ist allerdings die Zahl der Studienanfänger zu erhöhen, wenn zu erwarten ist, daß wegen Aufgabe des Studiums, Fach- oder Hochschulwechsels die Zahl der Abgänge an Studenten in höheren Fachsemestern größer ist als die Zahl der Zugänge (Schwundquote).|
FS |
1. |
2. |
3. |
4. |
5. |
6 |
7 |
8 |
9 |
10 |
|
SS 94 |
32 |
29 |
28 |
29 |
29 |
26 |
28 |
29 |
27 |
25 |
|
WS 94/95 |
30 |
30 |
31 |
32 |
27 |
30 |
26 |
29 |
27 |
25 |
|
SS 95 |
33 |
29 |
31 |
31 |
32 |
26 |
30 |
26 |
27 |
27 |
|
WS 95/96 |
32 |
28 |
29 |
32 |
31 |
33 |
29 |
30 |
26 |
24 |
|
SS 96 |
30 |
30 |
30 |
27 |
31 |
30 |
33 |
29 |
30 |
26 |
|
WS 96/97 |
30 |
31 |
28 |
29 |
27 |
30 |
31 |
32 |
27 |
30 |
|
SS 97 |
28 |
29 |
28 |
28 |
29 |
27 |
30 |
31 |
29 |
27 |
|
WS 97/98 |
35 |
23 |
29 |
28 |
29 |
28 |
26 |
30 |
28 |
27 |
|
SS 98 |
25 |
31 |
22 |
29 |
27 |
28 |
27 |
25 |
28 |
28 |
|
WS 98/99 |
30 |
24 |
29 |
20 |
28 |
28 |
30 |
27 |
24 |
27 |
|
P1: SS 94 - SS 98 |
275 |
260 |
256 |
265 |
262 |
258 |
260 |
261 |
249 |
239 |
|
P2: WS 94/95- WS 98/99 |
273 |
255 |
257 |
256 |
261 |
260 |
262 |
259 |
246 |
241 |
Anhand dieser Bestandszahlen können die durchschnittlichen Übergangsquoten(q) bestimmt werden:
|
|
q1: |
q2: |
q3: |
q4: |
q5: |
q6: |
q7: |
q8: |
q9: |
|
1 |
0,9273 |
0,9885 |
1,0000 |
0,9849 |
0,9924 |
1,0155 |
0,9962 |
0,9425 |
0,9679 |
Hiernach ergibt sich für die 10 Semester der Lehreinheit eine mittlere Studiendauer von 9,0558, die nach der Formel tM=1+q1+q1*q2+q1*q2*q3+.....qn-1 berechnet wird. Diese mittlere Studiendauer dividiert durch die erfaßten Semester führt zu einem durchschnittlichen Schwundfaktor von 0,9056. Die jährliche Aufnahmequote beträgt also 65,3142 Studienplätze (59,1475 dividiert durch 0,9056), so daß gerundet im Wintersemester 33 und im Sommersemester 32 Studienanfänger aufzunehmen sind.
Damit überschreitet die gerichtlich berechnete Zahl von